Debridement
In diesem Abschnitt finden Sie einen Überblick über das Debridement und die möglichen Techniken. Das Debridement ist ein wesentlicher Bestandteil der Wundversorgung und umfasst die Entfernung von avitalem und vitalem Gewebe zur Förderung des Heilungsprozesses. Für ein erfolgreiches Wundmanagement ist es entscheidend, die geeigneten Debridement-Methoden für jeweiligen Wundzustände zu kennen1.
„Unter Debridement versteht man die Entfernung vitaler (lebensfähiger) und avitaler (nicht lebensfähiger) Wundbestandteile, einschließlich nekrotischem Material, Belägen, Mikroorganismen, Biofilm, extrazellulärer polymerer Substanzen (EPS) und Fremdmaterialien.
Das primäre Ziel besteht darin, das Vorhandensein von mikrobiellen und nicht-mikrobiellen Komponenten zu reduzieren und dabei die effektivsten Methoden mit möglichst geringen Nebenwirkungen zu verwenden.
Diese Methoden sollten von medizinischem Fachpersonal, das über die entsprechenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Möglichkeiten am Point-of-Care verfügt, sicher innerhalb der Grenzen des jeweiligen Tätigkeitsfeldes durchgeführt werden können.“¹
Neue Definition
Wer kann ein Debridement durchführen?

- Jeder Arzt bzw. jede Ärztin – durch Applikation eines autolytischen Wundverbandes2
- Spezialisierte Fachkraft – Bestimmte Methoden des Debridements erfordern zusätzliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen, z. B. chirurgisches und scharfes Debridement, Anwendung von Larven und technisch anspruchsvollere Lösungen2
- Manche Debridement-Methoden sind sehr einfach anzuwenden und erfordern nur wenig Schulung, weshalb sie sich ideal für den allgemeinen Einsatz eignen, z. B. modernes mechanisches Debridement mit Monofilament-Faser-Technologie (Debrisoft®)3
- Welche Instrumente von welchem Fachpersonal verwendet werden dürfen, ist von Land zu Land verschieden. Es sind daher stets die einschlägigen lokalen Vorschriften zu beachten
Warum debridieren?


Da avitales Gewebe…
- ein Hindernis für die Wundheilung darstellt2
- chronische Entzündungen hervorrufen kann2
- die Wirksamkeit topischer Behandlungen beeinträchtigen kann2
- zu einer Unterschätzung des Ausmaßes der Wunde führen kann2
- eine Nährstoffquelle für Bakterien darstellt2
- Anzeichen einer Infektion verdecken oder imitieren kann2
- zu einer septischen Reaktion beitragen kann4
Und was geschieht, wenn kein Debridement erfolgt?
Der Heilungsverlauf
wird beeinträchtigt2,5
Die Exsudationsmenge
wird ansteigen2,5
Die Wundumgebungshaut kann Schaden nehmen2,5
Bakterien werden
sich vermehren2,5
Die Wunde kann einen unangenehmen Geruch entwickeln2,5
Es kann zu einer Wundinfektion kommen2,5
Wann und wie sollte ein Debridement durchgeführt werden?
Ein Debridement ist bei verschiedensten Wundtypen anwendbar
Daher ist eine korrekte Befundung im Vorhinein notwendig:
- Sind Nekrose, Schorf, Fibrinbelag oder Infektion vorhanden?6
- Exsudationsgrad des Wundbetts von trocken bis feucht6
- Schmerzen
- Präferenz, Alter und Umfeld des Patienten
- Lebensqualität des Patienten
- Fähigkeiten und Ressourcen der Betreuungsperson
- Behandlungsumfeld
- Lokaler Zugang
- Entzündungsgrad
- Wundtiefe
- Vorschriften und Richtlinien
Welche Methoden stehen zur Verfügung?
Das Konsenspapier des Journal of Wound Care zum Thema Debridement empfiehlt für das Debridement einen ganzheitlichen Ansatz:
„die Kombination verschiedener, sich ergänzender Debridement-Methoden an derselben Wunde“ → individueller, patientenorientierter Ansatz in der Wundversorgung1
Kategorisierung der Debridement-Methoden:
- Einige Debridement-Methoden können eigenständig angewendet werden, während andere ergänzende Verfahren erfordern1
- Die Debridement-Methoden unterscheiden sich je nach ihrem Invasivitätsgrad1
Notwendigkeit eines ergänzenden Verfahrens1
- Autolytisch: Alginat-, Hydrokolloid-, Hydro-Desloughing-Wundverbände
- Osmotisch: Honig, hypertone Gele und Verbände
- Enzymatisch: Mit Bromelain angereicherte Kollagenase, Glukoseoxidase und Laktoperoxidase
- Chemisch: Einmalgel zur topischen Anwendung
Eigenständige Methoden1
- Biologisch: Larven im „Teebeutel“, freie Larven
- Mechanisch: Debridement-Pads, Verbandmull
- Technisch: hydrochirurgisch oder mittels Ultraschall
- Selektiv scharf/chirurgisch: Skalpell, Schere oder Kürette
Deep Dive: mechanisches Debridement
- Physikalische Entfernung von avitalem Gewebe und Zelltrümmern aus dem Wundbett1
- Debridement-Pads werden zunehmend eingesetzt und häufig herkömmlichem Verbandmull vorgezogen1
- Es gibt Evidenz dafür, dass Monofilament-Debridement-Pads Biofilm effektiv entfernen können1
- Debridement-Pads können mit einer tensidhaltigen Lösung angewendet werden1
- Die Verwendung von mit Kochsalzlösung getränktem Verbandmull als Methode des mechanischen Debridements sollte nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn keine alternative Methode verfügbar ist1
- Das Nass-Trocken-Debridement sollte keinesfalls Anwendung finden1: Dabei wird eine mit Kochsalzlösung angefeuchtete Kompresse auf das Wundbett gelegt wird und ein paar Stunden später nach dem Trocknen wieder entfernt
Wie können wir helfen?
Sie interessieren Sie sich für moderne Lösungen für die Wundversorgung? Unser Expertenteam steht Ihnen mit umfassendem Fachwissen und individueller Beratung zur Seite. Von der Auswahl geeigneter Produkte bis zur Vermittlung der neuesten Techniken in der Wundbehandlung – wir sind für Sie da.
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Literaturangaben
- Mayer, D.O. et al. (2024) ‘Best practice for wound debridement’, Journal of Wound Care, 33(Sup6b), S1-S32. doi: 10.12968/jowc.2024.33.Sup6b.S1
- Wounds UK (2013) ‘Effective debridement in a changing NHS: a UK consensus’, Wounds UK.
- Kerr, A. (2022) ‘Cutting costs and caseloads with a monofilament debridement pad’, Journal of Community Nursing, 36(6), pp. 42–48.
- Liepins, B. et al. (2023) ‘How clean is clean? In-vitro comparison of biofilm removal efficacy and cleaning characteristics of three debridement pads [Preprint]’. doi: 10.1101/2023.04.19.537160
- Meads, C., Lovato, E. and Longworth, L. (2015) ‘The Debrisoft(®) Monofilament Debridement Pad for Use in Acute or Chronic Wounds: A NICE Medical Technology Guidance’, Applied Health Economics and Health Policy, 13(6), pp. 583–594. doi: 10.1007/s40258-015-0195-0
- Strohal, R. et al. (2013) ‘EWMA document: Debridement. An updated overview and clarification of the principle role of debridement’, Journal of Wound Care, 22(1), p. 5. doi: 10.12968/jowc.2013.22.Sup1.S1